Lügen mit Umfragen

Unser Grundgesetz wird 60 und da lohnt ein genauer Blick auf die Verfassung der Verfassung. Aus aktuellem Anlass beginne ich hiermit:

DIE WELT meldete am 16.05.09:

Die große Mehrheit der Bundesbürger ist einer Umfrage zufolge für eine Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet. In einer Studie sprachen sich 92 Prozent der Befragten für solche Maßnahmen aus.  [Quelle]

DIE ZEIT meldete am 20.05.09:

Mehr als 90 Prozent gegen Sperrungen im Internet. [Quelle]

Beide Aussagen sind zutreffend.

Wie das geht?

Ganz einfach: Es kommt bei Umfragen vor allem auch auf die Formulierung der Frage an. Ist die Formulierung nur suggestiv genug, kann man (in diesem Fall die Deutsche Kinderhilfe auf der einen und Mogis auf der anderen Seite) damit alles als Volkes Wille ausgeben. Eine hoch-selektive Berichterstattung in den Medien erleichtert den Protagonisten die Arbeit hierbei erheblich.

Für heute bin ich mal gespannt, ob es auch diese Meldung in die Fernsehnachrichten schaffen wird, will aber zum Auftraggeber der ersten Studie schon hier die folgenden Links reichen: Hintergrund zur Deutschen Kinderhilfe bei Spiegelfechter – mit vielen Informationen, die in nicht unwesentlichem Umfang auch von DER WELT recherchiert worden sind.

Mir stellt sich deswegen die Frage, wie intensiv Zeitungs- und Fernsehnachrichten-Redaktionen eigentlich recherchieren, bevor sie ihre Meldungen in die Welt blasen.

Ein ausführlicherer Artikel zum Thema Internetsperren (mit sicherlich nicht wenig Meinung) wird folgen – und weitere Berichte zum Thema Menschenrechte sowie Grundgesetz im Rahmen der A-Phase.

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Wie stellt sich die Entwicklung Somalias im Vergleich zu anderen Ländern dieser Erde dar? Der Service von gapminder.org liefert hier Einsichten, die andere Webseiten und auch statische Diagramme nie bieten könnten.

somalia

Nach einer Phase der kontinuierlichen Zunahme des Einkommens (X) und gleichzeitig auch der Lebenserwartung (Y) nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1963 folgte eine 30 Jahre andauernde Phase der Unruhe. Erst  nach dem Tiefpunkt von 1993 (siehe Mauszeiger im Bild) nimmt die Lebenserwartung wieder stetig zu, wenn auch das Einkommen der Bevölkerung auf niedrigstem Niveau stagniert.

Der Screenshot kann (und soll) nicht mehr als Appetit machen auf die dynamischen Grafiken der Webseite, die intuitiv bedienbar ist, wenn auch einige Indikatoren und Einstellmöglichkeiten sehr elaboriert sein können.

Im Prinzip gilt: Auf der X und Y Achse können jeweils verschiedene Indikatoren aus einem Drop-down-Menü, auf der rechten Seite des Fensters ein Land aus einer Liste gewählt werden. In der rechten oberen Ecke des Fenster lassen sich noch weitere Indikatoren hinzuschalten – z.B. auch ein Demokratieindex (im Screenshot: Geographic Regions).

Wer das volle Programm ausschöpfen will und Einsicht in das Potential von Vorträgen mit derartigen Folien wünscht, sollte sich die Präsentation von Hans Rosling auf TED anschauen: