Arktis-Konfliktanalyse: Kanada

Kanada selbst betrachtet sich als das „arktische Land“ und stellt somit, wie auch Dänemark, Russland, USA und Norwegen/Schweden/Finnland territoriale Ansprüche am Nordpol. Auf ökonomischer Ebene geht es Kanada vor allem um die Aussicht auf neue Handelswege durch Schifffahrtsrouten in der Arktis.

Die kanadische Gebietsforderung erstreckt sich vom kanadisch-arktischen Archipel bis zum Nordpol. Dort wird auf eine eisfreie Schiffsroute gehofft wenn das Eis weiter schmilzt, wodurch sich neue Handelswege erschießen lassen. Dies könnte bereits 2020 der Fall sein. Außerdem wird das Hoheitsrecht für die Nordwest-Passage beansprucht.

Den Lomonossow-Rücken sieht Kanada lediglich als „unter Wasser gelegene Verlängerung der kontinentalen Krustenmasse Sibiriens“ an. Diese Meinung teilt auch Dänemark und hat dadurch mit Kanada Russland als härtesten Konfliktgegner.

Bezüglich der Machtverhältnisse ist zu sagen, dass es bereits 2007 und 2008 zu heftigen Reaktionen auf russische Polarexpeditionen kam: Es wurden Militärmanöver durchgeführt und acht bewaffnete Eisbrecher geplant. Kanada ist bestrebt, dem Gegner Russland militärisch entgegenzutreten. Russland hat sicherlich einen Vorteil durch den Besitz von Atomwaffen aber wenn Kanada die USA als Bündnispartner gewinnen kann, würde dies kein Problem mehr darstellen. Beruhend auf Provokationen seitens Russland (z.B. Hissen der russischen Flagge auf dem arktischen Meeresboden) sind militärische Mittel die einzig sinnvollen um einen wirkungsvollen Eindruck zu erzielen. Rechtswirksam ist das Hissen der Fahne nicht aber dieses Machtdemonstration darf Kanada nicht auf sich sitzen lassen und muss dem bestimmt entgegentreten um weiteren Provokationen vorzubeugen.

Ökonomisch gesehen ist Kanada bereits auf einem gutem Weg, den es mit neuen Handelswegen auszubauen gilt. Darum ist es so wichtig, dass sich Kanada gegen Russland im Konflikt um die Arktis behauptet, was mit bloßen Verhandlungen nicht möglich sein wird.

Die UN-Seerechtskonvention hat Kanada, neben 149 anderen Staaten, ratifiziert, nicht wie Nachbar USA. Zudem geht es Kanada bei weitem nicht nur um ökologische und territoriale Interessen wie den anderen Konfliktparteien: Der Anrainerstaat setzt sich auch für den Schutz der arktischen Natur und der dort lebenden Bevölkerung ein. Somit entspricht Kanada am ehesten der Forderung der Inuit (160.000 Menschen) auf Mitspracherecht und der Ablehnung von Naturzerstörung.

Hinzu kommt eine mögliche Unabhängigkeitsbewegung der Inuit in Grönland. Dies wäre vielleicht durch eine Interessenvertretung Kanadas zu verhindern aber dafür muss Stärke bewiesen werden.

Durch freigelegte Rohstoffe würden vor allem die Industrie und die Rohstoffkonzerne profitieren, was für das kanadische Wirtschaftswachstum sicherlich förderlich wäre. Ein weiterer Grund, warum Kanada, eventuell mit den USA, Norwegen und Dänemark als Bündnispartner, gegen Russland in diesem Konflikt ankommen sollte.

Eine „Kuchenstückaufteilung“ wie am Nordpol käme Kanada nicht zu Gute, da es sich um einen verhältnismäßig kleinen Anteil handeln würde. Ob die UN hier schlichten bzw. Grenzen regeln kann, ist fraglich. Deshalb liegt es an Kanada, das Anliegen mit Nachdruck voran zu treiben.

Ein „neuer Kalter Krieg“ ist unbedingt zu verhindern um kein Sicherheitsrisiko einzugehen aber dem mit der Mondlandung vergleichbaren Flagge hissen Russlands kann trotzdem nicht mit Gleichgültigkeit begegnet werden. Wer seine Interessen durchsetzen will, muss ebenfalls Macht demonstrieren und das ist mit militärischen Mitteln immer noch am wirksamsten.

Schließlich ist es notwendig, die Menschenwürde der Inuit zu achten, die ein Recht am eigenen Lebensraum haben und selbstbestimmt leben können sollten. Die Solidarität mit diesem Volk und die Aussichten auf ein vergrößertes Territorium mit Vorteilen für die Wirtschaft sind gute Voraussetzungen um Russland auf den Boden der Tatsachen zu holen.