Obamania II

Nachdem das Ergebnis der US-Präsidentenwahl nun feststeht, hier ein paar (entscheidende) Reden von Obama, die förmlich danach schreien auf Elemente des American Dream abgeklopft zu werden (weil diese hier besonders deutlich und besonders pathetisch zum Vorschein kommen):

Die Siegesrede vom 4. November 2008 in Chicago:

Stichworte: everything is possible in this great land, democracy, e pluribus unum, hope, change, this nation’s promise, government of/by/for the people, challenges of the future, bravery,  hope, we the people, yes we can, remaking the nation, spirit of service and sacrifice, patriotism, responsibility, one nation / people, self-reliance, individual liberty, humility, progress, destiny, beacon of hope and light, enduring power of American ideals, slavery, struggle, the American creed, we shall overcome, this is our moment / our time, reclaim the American Dream

Strukturell und rethorisch ist immer wieder das Vorbild M.King durchzuhören. Eine ausführlichere Analyse ist auf der folgenden Seite zu finden:

http://changingminds.org/analysis/obama_victory_speech.htm

Weitere gute Reden des 20. Jh:

http://www.guardian.co.uk/theguardian/series/greatspeeches

Pressestimmen zum historischen Ereignis und vor allem zu den hohen Erwartungen, die der Wahlkampf und auch die Person Obama provoziert haben, finden sich – wie immer – bei euro|topics.

Zum Vergleich – die Rede vom 24. Juli 2008 in Berlin:

Obama oder McCain?

Google-Trends könnte, so die Idee von M.Maier, als Vorhersageinstrument im Rahmen der Wahlforschung eingesetzt werden. Ich habe seinen Ansatz gleich mal nachvollzogen.

Prämissen:

  1. Internetnutzer entsprechen in den USA ausreichend genau der Wahlbevölkerung;
  2. Es wird nach der Person gegooglet, die man wählen will;

So ergibt sich …

… dass Obama die Wahl gewinnen wird.

Für die Vergangenheit scheint sich dies zu bestätigen. Als es 2004 um Bush oder Kerry ging ergab sich bei Google Trends folgendes Bild:

Obama müsste demnach mit einem klaren Vorsprung aus der Präsidentenwahl hervorgehen.

Am Mittwoch wissen wir mehr.

Obamania

Europa “hat schon gewählt” und bevorzugt klar Obama, der sich vor wenigen Tagen mit dem längsten Wahlkampfspot (und ziemlich sicher auch dem teuersten) der Geschichte im US-Fernsehens so breit machte, dass die Übertragung eines Spiels der World Series verschoben werden musste. Baseball wäre vielen wohl lieber gewesen als das hier:

Warum Obama in Europa trotz derartig pathetischer Hollywood-Spots so erfolgreich ist, dem geht die Presseschau auf eurotopics nach – allerdings ohne eine klare Antwort zu finden. Die ZEIT hingegen spekuliert, dass das kontinentale, eher sozialdemokratische Politikmodell Obamas den Ausschlag gibt. Eine These, die auch im Expertengespräch auf SWR2 Forum [MP3] anklingt.

Dass ein derartiger Wahlkampf in Deutschland nie stattfinden wird, versucht politik-digital unter dem Titel “Nicht einfach den Obama machen” zu begründen. Gut, dass wir verschont bleiben, denn Europa könnte mit dem vielen Lorbeer so oder so ziemlich auf dem Holzweg sein [1] [2] [3] [4] [5] – Obama hat nämlich Deutsche Wurzeln ;-). Das Hauptproblem dürfte wohl sein, dass Europäer die Vokabel multilateral aus dem Mund eines Amerikaners nicht so verstehen, wie diese ziemlich sicher gemeint ist: burden-sharing.

Ein Element des US-Wahlkampfes ist mir trotzdem sehr sympathisch: Ge-netzt wird in US-Wahlkämpfen schon seit mehreren Jahren recht heftig. Eine kleine Auswahl: Im zweiten Whitehouse können Nutzer Aufgaben für den neuen Präsidenten hinterlassen und in BigDialog Botschaften. Wer selbst mitwählen will wird hier bedient.

Beständigere Hintergrundinformationen zur USA, als sonst zu Wahlzeiten, sind im entsprechenden Dossier auf den Seiten der Bundeszentrale zu finden. Gehaltvolle Informationen zum politischen System der USA sind im Heft 283 der Informationen zur politischen Bildung zu haben. Sehr informativ ist auch der Blog “USA erklärt“.