Generationen + Gerechtigeit = Konflikt?

“Früher glaubte jede neue Generation, mit ihr fange die Welt an. Heute glaubt die neue Generation, mit ihr gehe sie zu Ende.”

Dieses Zitat stammt von dem deutschen Journalist und Publizist Johannes Gross und beschreibt in meinen Augen, wie sich das Bewusstsein der Generationen ändert. Man könnte es unter anderem so interpretieren, dass die heutige Generation größere Zukunftsängste hat, zum Beispiel, weil sie sich durch mangelnden Nachwuchs in der deutschen Gesellschaft nicht der ausreichenden (finanziellen) Versorgung im Alter sicher sein kann und deshalb einen (teilweise begründeten) “Zukunftspessimismus” entwickelt.

Das ist ein Teil des Konflikts zwischen den Generationen, den ich im folgenden Artikel weiter ausführen werde. Zu einem Konflikt kommt es oft, wenn sich zwei oder mehrere Parteien ungerecht oder nachteilig behandelt fühlen – sie streben nach der individuellen Gerechtigkeit, was bei unterschiedlich Interessen und Ansichten schwer zu erreichen ist. Bei einem Konflikt zwischen verschiedenen Generationen kommt noch der Altersunterschied und demzufolge die Lebenserfahrung (und dadurch eine andere Lebenseinstellung, andere Werte, Ansprüche, Prioritäten u.ä.) hinzu, was das Erreichen einer Gerechtigkeit zwischen den Generationen nicht einfacher macht.

Doch was ist eigentlich unter dem Begriff  “Generationengerechtigkeit” zu verstehen?

Das Rostocker Zentrum für demographischen Wandel definiert diese Bezeichnung als “gerechte” Aufteilung von Lasten und Gewinnen einer Gesellschaft zwischen den verschiedenen Generationen. Die zentrale Idee sei die Nachhaltigkeit,  die jeweilige Generation solle nicht auf Kosten der anderen leben und wirtschaften. Hierbei geht es nicht nur um materielle Dinge, sondern beispielsweise auch um die Umwelt o.ä. – um jedoch bei meinem zweiten Thema, der Staatsverschuldung, zu bleiben, werde ich mich in meiner Ausführung lediglich auf materialle bzw. finanzielle Aspekte beschränken.

Wie bereits erwähnt (und allgemein bekannt) altert die deutsche Bevölkerung zusehends. Durch die ständig steigende Lebenserwartung und der sinkenden Geburtenrate gibt es immer mehr “Alte” und weniger Nachwuchs.

Dadurch herrscht ein Ungleichgewicht, das unter anderem das Verhältnis und Gerechtigkeitsempfinden zwischen den Generationen beeinflusst.

Das bekannteste Problem ist die Finanzierung der Rente:

Immer weniger Menschen jungen oder mittleren Alters finanzieren die Rente und damit den Lebensunterhalt von immer mehr Rentnern – was viele als ungerecht empfinden. Während 1965 das Verhältnis noch vier zu eins betrug, kam bereits 2001 auf  zwei Beitragszahler ein Rentner. Setzt sich diese Entwicklung fort, würde bereits in 15 bis 20 Jahren ein Beitragszahler einen Renter unterhalten und 2040 soll die Zahl der Renter sogar die der Beitragszahler übersteigen. Keine schönen Aussichten.

Hinzu kommt, dass die heutigen und zukünftigen Beitragszahler vermutlich mit einer geringeren Rente auskommen müssen, wenn sie selbst in den Ruhestand gehen, weil, wie oben beschrieben, zu wenig Beitragszahler nachkommen. Viele Menschen haben hier Angst um ihre finanziellen Mittel im Alter, da sie ihre Würde durch einen niedrigen Lebensstandard bedroht sehen.

Um dem entgegenzuwirken sind viele junge Menschen beispielsweise für Rentenkürzungen oder ähnliche Maßnahmen – um an dieser Stelle aber die derzeitigen Rentner zu verteidigen, muss gesagt werden, dass diese selbst jahrelang in die Rentenkassen eingezahlt haben und zudem mit ihren Kindern dafür gesorgt haben, dass das System weiterhin nachrückende Beitragszahler bekommt.

Überspitzt ausgedrückt könnte man daraus folgern, dass die heutige Generation selbst schuld an der Aussicht auf eine geringe Rente ist, wenn sie sich nicht um genügend  Nachwuchs kümmert.

Wie in jedem Konflikt gibt es natürlich auch bei diesem Thema mindestens zwei Sichtweisen.

Um den Bezug auf den Staat und dessen Neuverschuldung herzustellen sei noch erwähnt, dass die staatlichen Einnahmen durch die hohe Arbeitslosigkeit und das schwache Wirtschaftswachstum sinken und der Staat sich somit immer höher neuverschulden muss. Wie die Neuverschuldung und die Generationengerechtigkeit zusammenhängen, habe ich ja bereits in einem früheren Artikel erläutert.

Hier habe ich das Beispiel erneut kurz aufgeführt, um deutlich zu machen, wie kompliziert, vielschichtig und vor allem zukunftsrelevant das Thema Generationengerechtigkeit ist – und um aufzuzeigen, wie wichtig es ist, mit einer nachhaltigen Denkweise etwaige Konlifkte zu lösen, denn wenn beispielsweise heute Rentenkürzungen beschlossen werden, muss uns bewusst sein, dass dies früher oder später im entsprechenden Alter auch uns selbst betrifft.

Author: susdummy

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2 thoughts on “Generationen + Gerechtigeit = Konflikt?”

  1. Wenn ich es richtig weiß, hat die Regierung unter Ex-Arbeitsminister Scholz eine Rentengarantie abgegeben. Diese Garantie verspricht zwar, dass die Renten nicht gekürzt werden, schließt aber nicht aus, dass es für Rentner in Zukunft “Nullrunden” in Sachen Rentenerhöhung geben wird.
    Die heutigen Rentner müssen sich also, anders wie geschrieben, keine Sorgen über Kürzungen machen.

    (siehe auch: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,623108,00.html)

  2. Tja da hab ich wohl teilweise mit zu alten Quellen gearbeitet (2001).
    Trotzdem geht es bei dieser Rentengarantie, so weit ich weiß, um das Versprechen, dass es keine lohnbedingten Rentenkürzungen geben wird (wegen Kurzarbeit o.ä.).
    Wie sich der demographische Wandel und damit das Renter-Beitragszahler-Verhältnis auf die Rentenhöhe auswirken wird kann die Politik ja vermutlich kaum vorhersehen.

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