Deutschland nach dem Luftangriff

Nachdem es 2009 in Afghanistan zunehmend brenzliger wurde, kam es am 4. September 2009 zum wohl folgenschwersten Zwischenfall der Bundeswehr nach dem 2. Weltkrieg. Am besagten Tag gegen 2:00 Uhr Ortszeit, wurden 2 von der Taliban entführte Tanklaster durch US. Jagdbomber angegriffen und komplett zerstört, wobei der Befehl von Oberst Klein, der von einer direkten Bedrohung seiner Soldaten ausging, angefordert wurde. Neben dutzenden toten Talibankämpfern, gab es auch zivile Opfer zu beklagen. Da unser damaliger Verteidigungsminister Franz Josef Jung der Öffentlichkeit und dem Parlament sehr wichtige Informationen vorenthalten hatte, trat er zurück. Im laufe der Debatte wurde immer deutlicher, dass es eine bewusste Verschleierung von Informationen gegeben hat, was dazu führte, dass man den kompletten Afghanistaneinsatz der Bundeswehr in Frage stellte und an der Glaubhaftigkeit unseren zuständigen Ministern, wie z. B. Karl Theodor zu Guttenberg, zweifelte. Nach wie vor verstrickten sie sich immer öfters in Widersprüche, da z.B Guttenberg anfang November den Luftangriff noch als militärisch angemessen, Wochen später ihn aber militärisch unangemessen nannte. Der Druck auf Karl Theodor zu Guttenberg stieg zunehmend seitens der Öffentlichkeit bzw. anderen Politikern. Zudem legte man ihm den Rücktritt nahe. Letztendlich wurde der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang Schneiderhan seines Amtes enthoben, da er die volle Verantwortung dafür übernahm, dass Guttenberg nicht alle Informationen vorgelegt wurden.

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video614272.html

Da die Afghanistan-Konferenz Ende Januar unmittelbar bevorstand, wollte man Ende 2009 nicht voreilig eine neue Strategie festlegen, sondern das weitere Vorgehen mit anderen NATO Partnern diskutieren. In dieser London-Konferenz trafen sich alle 43 beteiligten Staaten, die Nachbarländer Afghanistans und der Präsident von Afghanistan Hamid Karsai. Wie vermutet wurde, beherrschte Amerika die Politik für Afghanistan. Obama beschloss zusätzlich 30.000 Soldaten zu entsenden und größeren Wert auf den Wiederaufbau Afghanistans zu legen. Auch entschied er sich dafür demnächst 2.500 Soldaten in den Norden von Afghanistan zu beordern, das Gebiet, dass den Deutschen unterstellt ist: Ihr könnt es nicht, wir müssen ran. Deutschland blamiert sich in Afghanistan und vor allen anderen Verbündeten. Und immer wieder diese Frage: Soldaten abziehen oder weitere nach Afghanistan schicken? Deutschland entschied sich in London für zusätzliche Soldaten. Das neue Bundestagsmandat soll nun aus 5350 Soldaten bestehen. Im Gegensatz zur USA, die nun eine Truppenstärke mit über 100.000 Soldaten aufweißen, erscheint diese Zahl als sehr wenig. Nun gibt es eine neue Strategie: Man möchte mehr afghanische Sicherheitskräfte ausbilden, um Afghanistan irgendwann in deren Hand zu übergeben. Auch möchte man durch die Truppenaufstockung direkter gegen die Taliban vorgehen um sie ein für alle mal auszulöschen. Gesagt, getan schon Anfang Februar kündigte die NATO eine Großoffensive gegen die Taliban an, bei der mehr als 15.000 amerikanische, britische und afghanische Soldaten beteiligt sind und die voraussichtlich mehrere Wochen dauern wird. Schon nach Tag eins, gab es zivile Opfer und dutzende tote Talibankämpfer.

Author: susdummy

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6 thoughts on “Deutschland nach dem Luftangriff”

  1. Zunächst finde ich, dass man Deutschland in keiner Weise mit den USA vergleiche kann. Auch wenn 100.000 US-Streitkräfte in Afghanistan stationiert sind, heißt das für mich noch lange nicht, dass wir in Punkto Soldaten gleichziehen müssen!
    Ich finde nicht, dass Deutschland sich in Afghanistan blamiert. Es sind vielmehr alle, die sich das zuzuschreiben haben. Erst heute sind wieder viele Zivilisten bei einem Luftangriff der NATO getötet worden. Meiner Meinung nach sollte die Debatte nicht über eine Truppenaufstockung geführt werden sondern vielmehr über einen verantwortungsvollen aber auch schnellen Abzug der Truppen. Natürlich kann man das Land nicht einfach “zurücklassen”! Deshalb sollten die Gelder, die bisher in den Militäreinsatz geflossen sind, in den zivilen Wiederaufbau gesteckt werden.

  2. Wenn du Truppen schnellst möglich abziehen willst, lässt du Afghanistan ´´zurück´´. Meiner Meinung nach muss es eine deutliche Aufstockung von Soldaten geben, denn unsere schon dort stationierten Soldaten bekommen die Lage nicht in den Griff, da sie am Personallimit arbeiten! Alles in allem denke ich dass durch eine Aufstockung die Lage im Norden Afghanistans deutlich sicherer wird und sich unsere Soldaten dann besser auf den Wiederaufbau konzentrieren können. Andernfalls zieht sich der Afghanistaneinsatz noch weiter unnötig in die Länge und verschlingt zudem dann noch mehr Geld.

  3. Zum Wiederaufbau gehören nicht nur Schulen, Krankenhäuser und allgemeine Infrastruktur sondern auch die Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften sowie eine funktioniernde Armee. Die Sicherheitskräfte sind meiner Meinnung nach um einiges besser geeignet als die schwer bewaffneten “Ausländer”.
    Wenn man die Gelder in den kooridnierten Wiederaufbau stecken würde, dann würde Afghanistan auch nicht zurückgelassen werden. Vorallem geht es nicht nur um den Norden sondern um das ganze Land und die ganze zivile Bevölkerung!

  4. Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist die Gelder der Afgahnischen Regierung direkt zu Verfügung zu stellen, da ich nicht glaube dass diese Regierung ohne ausländische Unterstützung viel Macht besitzt. Soweit ich das beurteilen kann gibt es in der Bevölkerung immer noch sehr viele Talibananhänger. Desweiteren ist Afghanistan der Heroin Lieferant schlechthin und unter diesen Vorrausetzungen halte ich es nicht für möglich die Truppen jetzt schon abzuziehen. Als wir uns in den Krieg eingeschaltet haben, haben wir eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung übernommen und ein Rückzug der Truppen zum jetztigen Zeitpunkt würde bedeuten, dass wir diese Menschen ihrem Schicksal, für das wir mitverantworlich sind, zu überlassen. Natürlich wären eigene Sicherheitskräfte besser als amerikanische, aber ich glaub nicht dass diese den Krieg gegen die Taliban alleine gewinnen können.

  5. Was bringen Gelder die den Wiederaufbau unterstützen, wenn es dort eine zu allem bereite Taliban gibt, gegen die sich sogar die schlägkräftigste Streitkraft der Welt (USA) schwer tut??? Erst wenn die Taliban kaum noch existiert, steht dem Wiederaufbau nichts mehr im Wege!

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