Wie gut unterstützt der Wahl-O-Mat Erstwähler bei ihrer Wahl?

Der Wahl-O-Mat soll einen Anreiz für Erstwähler bieten zur Wahl zur gehen und die Entscheidung für eine Partei einfacher zu machen, indem er 38 verschiedene nationale und internationale politische Themen und die Stellungnahmen der 24 Parteien dazu aufzeigt. Prinzipiell ist das ein guter Gedanke, doch teilweise mit erschreckendem Ergebnis umgesetzt.

So kann es passieren, dass eine Antwort des Erstwählers auf eine der 38 Fragen dem Wähler eine Wahlempfehlung gibt, die er niemals befolgen würde. Denn wer die Frage, ob er möchte, dass die DM wieder eingeführt wird mit “stimme zu” beantwortet, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit, dass die NPD recht gut abschließt, sehr hoch. Doch für die wenigsten ist es wohl ein wirklich guter Grund die NPD zu wählen.

Außerdem steht der Wahl-O-Mat in der Kritik für eine Reihe von unpräziser Fragestellungen. Ein einfaches Beispiel dafür wäre die folgende These: „Die Laufzeit der Atomkraftwerke soll verlängert werden.“ Zu dieser Aussage, sollte normalerweise jede Partei, die nicht für eine sofortige Abschaltung oder eine unendliche Laufzeit der Kernkraftwerke ist, die Stellungnahme verweigern. Denn wer hier mit „stimme zu“, „neutral“, oder „stimme nicht zu“ antwortet, dem kann entweder angehängt werden, dass er nicht weiß, wie lange er die Laufzeit verlängern möchte, oder dass er zwar nicht will, dass die Laufzeit verlängert wird, aber kein zielorientiertes Konzept für die Abschaltung hat.

Doch es ist nicht genug damit, dass Parteien zu schwammigen Aussagen klare Position beziehen müssen, sondern sie werden nicht mal um die Vorlage eines Konzepts gebeten, welches die Art und Weise der Umsetzung ihrer Vorstellungen genauer erläutert. So kann jede Partei ihre Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit problemlos proklamieren, ohne die geringste Ahnung von regenerativen Energien zu haben. Zwar gibt es beim endgültigen Ergebnis Links zu Seiten, die Zusatzinformationen zu den jeweiligen Themen geben. Allerdings ist es hier schon zu spät, da man seine Antworten schon gegeben hat und zweitens werden auch dort die Umsetzungsstrategien der einzelnen Parteien nicht klarer.

Nun könnte man meinen, es sei gut, dass jede Partei Stellung zu allen 38 Fragen beziehen muss. So hätte schließlich keine Partei die Möglichkeit, sich unangenehmen Fragen nicht zu stellen. Doch gerade dieser Zwang birgt zwei große Nachteile in sich. Erstens gibt es auch noch die Möglichkeit mit „neutral“ zu antworten und zweitens nehmen hier Parteien reihenweise zu Themen Stellung, die nicht einmal im Kleingedruckten ihres Parteiprogramms zu finden sind. Das einfachste Beispiel wäre hierfür die Piratenpartei, die vorgibt gegen die Laufzeitverlängerung zu sein. Doch ihr Parteiprogramm spricht hier leider eine andere Sprache. Nämlich die Sprache des Schweigens. So könnte man als Wähler schon fast auf die Idee kommen, dass man gar nicht falsch wählen kann, da sich anscheinend jede Partei um sämtliche nationale, wie internationale Probleme kümmert.

Doch glücklicherweise wird dem all zu unerfahrenen Erstwähler auch ein Ergebnis seines Tests gezeigt. Wie schon erwähnt, kann es zu unangenehmen Überraschungen auf Grund einzelner Antworten kommen, oder man sieht sehr oft ein Diagramm, bei dem, fast jede Partei gewonnen hat. Nämlich, dass angeblich viele Parteien zu einem passen.

Allerdings fehlen eigentlich noch zwei Schritte bis man das Ergebnis zu Gesicht bekommt. Man darf zuvor noch einige Thesen doppelt gewichten, um ihnen eine persönlich große Bedeutung zuzusprechen. Wenn man das erledigt hat, gelangt man zum letzten Schritt.

Dabei muss der Erstwähler, dem ein guter Wahl-O-Mat alle Parteien näher bringen sollte, seine bevorzugten Parteien selbst auswählen. Schade für alle unentschlossenen Erstwähler, aber diese Aufgabe kann weder übersprungen, noch auf die einfachste und demokratischste Weise (indem man alle Parteien auswählt), gelöst werden. Denn man muss sich für 1 bis 8 Parteien entscheiden, die untereinander und mit den eigenen Aussagen verglichen werden sollen. Doch die Bundeszentrale für politische Bildung lässt einen nicht ganz im Stich. Sie macht einem die Entscheidung leichter indem sie dem Erstwähler die im Bundestag vertretenen Parteien (CDU/CSU, SPD, FDP, GRÜNE und die LINKE) in einem hervorgehobenen Kästchen präsentiert und einem damit schon fast die Entscheidungsfreiheit raubt. Denn die aktuelle Besetzung des Bundestages darf unter keinen Umständen ein Grund sein den Wähler zu beeinflussen.

Vielleicht hat der Wahl-O-Mat auch nur eine zu kurze Geschichte um ausgereift zu sein. Was sind schon 7 Jahre Entwicklung?

Author: susdummy

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