Nachtrag zu 9/11

Im Folgenden ein erweitertes Exzerpt zu einem Artikel auf der Seite der ZEIT zum Thema Ursachen von Terrorismus:

Quelle: http://www.zeit.de/2005/34/Terrorismus?page=1

Geschichtsbild von Terroristen und Fundamentalisten:

  1. Glorreiche Vergangenheit
  2. dunkle Gegenwart (Kultur, Politik) → kranke Gesellschaft, Opfer äußerer Einflüsse (Westen, Modernisierung, Globalisierung, Vernichtung von Gewissheiten, zu viel an Freiheit und Wahlmöglichkeiten, Verlust von moralischen Standards, Solidarität …)
  3. glorreiche Zukunft

Ziel von Terroristen:

Krankheit der Gesellschaft zu heilen durch Rück(!)besinnung auf traditionelle Werte

→ Kampf mit sich selbst (Innen) → Fundamentalismus

→ Kampf mit den Verursachern (Außen) → Terrorismus

Unterschied zwischen beiden Gruppen

  • Fundamentalisten noch Teil weiterer Bezugsgruppen
  • Terroristen nur noch Teil der religiösen und fundamentalistischen Bezugsgruppe

→ Isolation von der Gesellschaft, Konzentration auf Rache als Daseinszweck

Sozialer Hintergrund von Terrorismus:

Mittelschicht, Bildungselite (und eben nicht persönliche Armut!)

  • erkennt die Rückständigkeit der eigenen Gesellschaft
  • erkennt die „moralische Verkommenheit des Westens“ und dessen Einfluss auf die eigene Gesellschaft
  • erkennt die Ungerechtigkeit in der Weltwirtschaftsordnung etc.

→ empfindet dies als Demütigung und kann diese auf Grund seiner Bildung formulieren, eine Strategie zur Bearbeitung entwickeln und in einen ideologischen Überbau integrieren

Diagnose:

Betonung von Ehre in islamischen Gesellschaften sensibilisiert Terroristen zusätzlich für Demütigungen (ausreichend: empfundene ~) und führt insgesamt zur narzisstischen Kränkung (Wikipedia zum Begriff)

Versuch einer Zusammenfassung:

Terrorismus wird so zu einer Art psychischen Krankheit auf Grund einer mangelhaften kulturellen Verarbeitung von Modernisierungsfolgen

terrorursachen_zeit PDF 49 KB

terrorursachen_zeit ODT 25 KB

Tipp für weitere Lektüre: http://www.zeit.de/2006/23/Enzensberger?page=1

2 thoughts on “Nachtrag zu 9/11”

  1. Also gut. Aufgabe: “Schreiben sie einen Kommentar zum Artikel ‘Nachtrag 9/11’ auf dem neuen Blog des Fachbereichs Gemeinschaftskunde.” Eigentlich eine schöne Aufgabe, denkt man sich, zumal man als Blogger das Kommentieren eigentlich beherrschen sollte. Doch beim durchlesen des Artikels stellt sich die aufdringliche Frage: “Wie kommentiere ich ein Exzerpt?”

    Natürlich könnte man die Vollständigkeit loben bzw. kritisieren, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass sie das gewissenhaft erledigt haben und deshalb, was diesen Punkt betrifft, keine weitere Bemerkung zu fallen braucht.

    Eine weitere Möglichkeit für einen Kommentar sind Dinge, die mir rein inhaltlich aufgefallen sind und die mich stutzig gemacht haben: Zum Beispiel hätte ich nicht erwartet, dass die Mehrheit der Terroristen laut dem Artikel aus einer gut situierten Mittelschicht stammt. Mein Klischee von einem Terroristen um fasste bis jetzt nur eine frustrierte, verzweifelte und geistig umnachtete Persönlichkeit, die von der Straße geholt wird und durch starke Einflüsse von außen (religiöse Führer) ein Feindbild und den Weg, diesen Feind zu schwächen/verletzen/töten/beseitigen, vermittelt bekommt. Allenfalls den Geldgebern, Unterstützern und Anführern hätte ich (höhere) Bildung und (gewissen) Wohlstand bescheinigt. Vielleicht ist das einfach die “westliche” Arroganz mit der ich diesem Thema begegne…

    Das war jetzt viel Einleitung, wenig Hauptteil und genauso wenig Schluss. Mir fällt momentan einfach nicht mehr ein. Vielleicht diskutieren wir das einfach morgen noch einmal genauer aus…

  2. Das Mittelschichtenphänomen trat auch bei der RAF in der BRD auf. In wie fern allerdings die Selbstmordattentäter, die inzwischen fast täglich im Irak, Pakistan und Afghanistan verheizt werden, tatsächlich alle aus der Mittelschicht kommen entzieht sich meiner Kenntnis. Ich behaupte einfach mal, dass hier (einzelne Kinder unter derartigen Attentäter bestärken mich in meinem Verdacht) “Kanonenfutter” zum Einsatz kommt, das sich nicht immer durch hohe Bildungsabschlüsse etc. auszeichnet.

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