Barack Obama, ein Realist?

“Ein naiver Träumer, welcher Tyrannen besänftigen anstatt bekämpfen will”, so portraitierten konservative Medien den U.S. Präsidenten während des Wahlkampfes 2008 sowie zum Beginn seiner Amtszeit. Auch in neutralen Medien wurde stets das Bild des großen Beschwichtigers vermittelt, welcher mit Reden wie in Kairo 2009 zur Befriedigung der Kulturen beitrage. Doch ist das Bild des 44. Präsidenten der vereinigten Staaten als großer Befrieder vielleicht nur ein Wunschdenken? Ein Wunsch nach mehr globaler Stabilität nach der achtjährigen Amtszeit von George W. Bush, welcher sich selbst als “War President” bezeichnete? Steckt in dem Friedensnobelpreisträger vielleicht doch ein kalt berechnender Realist, welcher bei seiner Außenpolitik ausschließlich die nationalen Interessen der USA im Blick hat?

Die NYtimes bezeichnet die Ägypten-Krise als Paradebeispiel für Obamas Realismus in internationalen Beziehungen. Der Präsident stand an einem Scheideweg, zwischen einer idealistischen Handlungsmaxim, welche die Verbreitung Amerikanischer Ideale wie Demokratie und individueller Freiheit sowie Menschenrechten als höchstes Ziel setzt und dem Realismus, welcher die Interessen der USA an erste Stelle rückt. Die Obama Regierung hat sich offensichtlich für Letzteres entschieden. Ein Rücktritt Mubaraks scheine zwar sehr wahrscheinlich, jedoch werden die für U.S. Interessen wichtigen Elemente und vorallem militärischen Machthaber der Regierung fest im Sattel bleiben, jede Annäherung an Demokratie würde also unter Berücksichtigung nationaler Interessen der vereinigten Staaten erfolgen, so  NYtimes Kollumnist Ross Douthat welcher diese Vorgehensweise als “cold-blooded realpolitik” bezeichnet.

Obamas Handlungsweise im Falle Ägyptens zeigt klar dass der U.S. Präsident ökonomische und geopolitische Interessen der vereinigten Staaten vor die Verbreitung westlicher Ideale setzt, der angebliche liberale Träumer scheint sich als Realist zu entpuppen, welcher mit weitaus mehr Geschick als sein Vorgänger für die Erhaltung der amerikanischen Vormachtsstellung zu sorgen scheint.

Quelle: http://www.nytimes.com/2011/02/07/opinion/07douthat.html

Author: susdummy

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One thought on “Barack Obama, ein Realist?”

  1. Irgendwie kommen mir bei Obama langsam meine Begriffe durcheinander: Bisher waren es die Neokonservativen, die missionarischen Eifer für “westliche Werte” in den Internationalen Beziehungen zeigen wollten (im Gegensatz zu den Konservativen, die Isolation bevorzugen). Die Liberalen sind nun also die, die die Chance zur Verbreitung liberaler Werte erst gegen nationale Interessen abwägen?

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