“Sexuelle Revolution” im Vatikan !?!?

Ein Aufreger dieser Woche war sicherlich die Äußerung von Papst Benedikt XVI bezüglich des Gebrauches von Kondomen. Das Ganze ist so lächerlich, dass es mir einen kurzen Artikel wert ist.

Das Interview, in dem der Papst das “Kondomverbot” lockerte, fand bereits im Sommer statt. Das Buch des Journalisten Peter Seewald, aus dem ein Teil in der vatikanischen Tageszeitung L’Osservatore Romano vorab gedruckt wurde, kommt am Dienstag in den Handel.

Die “Revolution” besteht darin, dass Kondome nach wie vor “moralisch verwerflich” sind und nur in begründeten Einzelfällen zu tolerieren seien. Zum Beispiel zur Verhinderung von AIDS-Infektionen. Einzelfälle??? Täglich gibt es weltweit 11000 Neuinfektionen! Meiner Meinung nach kann man hier absolut nicht von Einzelfällen sprechen.

Die Ansicht, das Kondome die “Sexualität banalisieren”, kann man dem katholischen Kirchenoberhaupt zugestehen. Aber sobald es um das Leben von Menschen geht, ist zumindest mir die ablehnende Haltung unverständlich.

Zudem lässt die Reaktion von Seiten des Vatikans auf sich warten. Man schweigt, ist wahrscheinlich am einfachsten. Lediglich der Sprecher des Vatikan  äußerte sich bisher, um eine “Deeskalation” zu vermeiden. Es handle sich nämlich nicht um eine Änderung der Kirchenlehre, denn Kondome würden weiterhin nicht als “wirkliche und moralische Lösungen der Aids-Problematik” betrachtet. Bei einer Aufsehen erregenden Pressekonferenz während einer Reise nach Afrika 2009 sprach der Papst sogar von einer Verschlimmerung der AIDS-Problematik durch das Verteilen von Kondomen und erntete harsche Kritik von allen Seiten. Woher der Sinneswandel? Göttliche Eingabe? Die Suche nach mehr Nähe zur Realität?

Es war nicht zu erwarten (und ist es auch weiterhin nicht), dass es zu diesem Thema in der katholischen Kirche zu einer ganzheitlichen Wende kommen würde. Die Lockerung des Verbots ist bestimmt von Einschränkungen. Es handelt sich nicht um eine öffentliche Erklärung (bzw. eine ex cathedra) sondern um ein Zitat aus einem Interview, über dessen Übersetzung sich auch noch nicht alle einig geworden sind (eine Prostituierte oder ein Prostituierter?). Nur bei einer ex cathedra, die vorher angekündigt werden muss, ist die Aussage des Papstes unfehlbar. Eine weitere Einschränkung, auf die man sich im Vatikan beruft.

Ein bisschen peinlich ist es auch, dass dieser Vorabdruck aus Seewalds Buch in der Sonntagsausgabe einer vatikanischen Zeitung erschien, während andere Zeitungen andere Passagen auswählten. Selbstschutz bevor andere besagten Teil veröffentlichen? Eine indirekte Bekennung, bevor man sich in Schweigen hüllt? Ich bin gespannt, ob dieser Anstoß zur Diskussion nicht schon bald im Sand verläuft. Ernst genommen wird Papst Benedikt XVI bezüglich der kirchlichen Ansichten zur Sexualität von vielen schon lange nicht mehr, was das “sich dran halten” betrifft. Von dem her dürfte es sich wahrscheinlich um eine kurzweilige Aufregung handeln. Bis zum nächsten Mal. Man darf gespannt sein.

Author: susdummy

This user grabs all the content of deleted users

3 thoughts on ““Sexuelle Revolution” im Vatikan !?!?”

  1. Interessant ist auch, dass je nach Zeitung von “Prostituierter” oder “Prostituiertem” die Rede ist. Wir werden sehen, was er meinte – da kommt sicherlich noch eine Klarstellung. Im Moment ist das nur ein kleines Detail, aber auf eben solche kommt es hier an.
    Wenn ich richtig gelesen habe, dann ist der Gebrauch von Kondomen nicht an den Schutz vor AIDS geknüpft, sondern vor allem an die moralische Entwicklung derjenigen, die es verwenden: Nur wenn durch eine Verhaltensänderungen (kein Kondom – ein Kondom reicht nicht) eine moralische Besserung insgesamt erreicht wird, dann ist der Kondomgebrauch OK. Das Kondom ist damit nicht mehr als ein Indiz für Besserung. In allen anderen Fällen (vor allem, wenn es um Lust geht?) bleibt ein Kondom weiterhin verboten.
    Für den Alltag im Westen dürfte wohl weiterhin gelten: Wer denkt schon an den Papst, wenn er sich gerade in der Lage befindet, dass er ein Kondom brauchen könnte?

  2. Der/die/das Prostituierte,r habe ich ja im vorletzten Absatz bereits erwähnt 🙂
    Mittlerweile hat sich auch Seewald zu Wort gemeldet und betont, dass die Regelung nicht nur aus Sonderfällen bestünde und das der Papst der Meinung ist, dass Kondome in besagten Fällen das kleinere Übel wären…

  3. \Kondome würden weiterhin nicht als wirkliche und moralische Lösungen der Aids-Problematik betrachtet”
    Na was denn dann?- Wartet der liebe Papst auf ein Wunderheilmittel, oder will er damit einfach nur durch die Blume sagen dass Sexualität nur zur Fortpflanzung genutzt werden sollte…
    Naja da kann man ja gespannt sein wie es weiter geht:)

Comments are closed.