Einwände gegen den Galtung´schen Friedensbegriff am Beispiel des DDR Regimes

Ich habe dieses Beispiel gewählt, da ich der Meinung bin, dass das von der Regierung der DDR strukturelle Gewalt ausging und dass sich mit ihr die Kritikpunkte gut unterstreichen lassen.

1) Der erste Kritikpunkt von Frei an der Theorie Galtungs beschäftigt sich mit dem Nachweis bzw. der Offensichtlichkeit der strukturellen Gewalt. Nach Frei sei diese schwer zu erkennen/nachweisbar.

In der DDR hat jeder Bürger auf andere Weise die Nachteile des Systems bzw. die Konsequenzen bei allen Formen von Kritik auf verschiedene Art und Weise zu spüren bekommen. Sei es zunächst durch die Verwanzung bzw. das Abhören der Wohnung, durch extreme Verhörsituationen oder auch lediglich durch die Abschirmung vom westlichen Teil Deutschlands, durch die den Bürgern viel vorenthalten wurde. Vorenthaltung ist aber beispielsweise nicht sichtbar und wenn der Nachbar verhaftet wurde, hat das Umfeld davon nicht unbedingt estwas mitbekommen, da vieles sehr geheim ablief.

2) Nicht alles muss als “Gewalt” bezeichnet werden, es gibt auch Synonyme, bzw. Begriffe, die eine bessere, weil genauere Beschreibung ermöglichen. Frei nennt als Beispiele Abhängigkeit, Ausbeutung und Ohnmacht.

Diese drei Begriffe führten mich u.a. zur Wahl meines Beispiels, weil die Bürger der DDR struktureller Gewalt ausgesetzt waren, diese aber auf jeden anders wirkte. Manche fühlten sich ohnmächtig und eingeengt, ohne eine Perspektive auf Besserung. Abhängig war man beispielsweise bei der Wohnungssuche, man musste nehmen, was einem zugewiesen wurde. Von Ausbeutung kann man sprechen, wenn man die Lebensverhältnisse der “Normalbürger” mit den Standards der Funtionäre vergleicht. Alles lässt sich dem Begriff Gewalt zuordnen, aber durch die Unterscheidungen werden einzelne Sachverhalte klarer.

3) Zuletzt ein Zitat aus der Quelle: “Die Historiker weisen […] darauf hin, dass die Fixierung des Friedensbegriffs auf mehr oder weniger bestimmte soziale Ordnungsvorstellungen schon immer so beliebt war, dass jede politisch etablierte Ordnung sich mit dem Attribut einer Friedensordnung zu schmücken trachtete.”

Ich finde, dass das auch auf das DDR Regime zutrifft. In höheren Kreisen stand man voll und ganz hinter dieser Ordnung, nur wer sich in den Weg stellte, agierte gegen den Frieden. Man musste sich also nur fügen, um friedlich leben zu können. Im Nachhinein kann man wahrscheinlich eher von einem erzwungenen Frieden sprechen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Bürger das Gefühl von Frieden hatten, wenn ihnen ihre Einschränkungen und die Willkür, die damals von Seiten der Regierung herrschte, bewusst war.

Author: susdummy

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