Projektabschluss und Fazit

Vor ca. einem Jahr wurde das Projekt „Bienen im Winter“ begonnen. Nachdem die Messungen von Temperatur und Gewicht Ende März beendet wurden, wird das Projekt hiermit abgeschlossen. In diesem Blogeintrag soll es vor allem um die Beantwortung der Leitfrage gehen, ob es für Bienen von Vorteil ist, in Styroporbeuten statt Holzbeuten gehalten zu werden. Die wichtigsten Erkenntnisse, die in diesem Projekt herausgefunden wurden, sollen dazu nocheinmal dargestellt werden. Anschließend soll ein Fazit, in dem unter anderem die größten Problemfaktoren vorgestellt werden, gezogen werden.

Zuerst sollen die Argumente, die gegen die Styroporbeute als Bienenbehausung sprechen, dargestellt werden. An sich ist die Leitfrage so gestellt, ob es für die Bienen von Vorteil ist, in einer Styroporbeute zu leben. In Betracht der Alltagstauglichkeit sollte man die Frage so ausweiten, dass man sich auch fragt, ob es für den Imker von Vorteil ist, die Bienen in Styroporbeuten zu halten. Zwar haben wir die Beuten aus Styropor nur kaum im Alltagsgebrauch erlebt, der ja vor allem im Frühsommer und Sommer in Form von Kippkontrolle, Rähmchen ziehen und so weiter besteht, trotzdem war schnell klar, dass die Kästen aus Styropor sich nur sehr schlecht für die alltäglichen Imkerarbeiten eigenen. Beim Kippen des oberen Kastens fing das Styropor teilweise schon an kaputt zu gehen, man musste die Kästen und den Deckel immer mit Klebeband befestigen, dass die Beute einigermaßen dicht war und die Stabilität war wohl auch wesentlich schlechter als bei Holzbeuten. Zwar ging kein Kasten kaputt aber spätestens wenn man einen Kasten aus Styropor mit vollen Honigwaben zum Schleudern vollgeladen hätte, wäre dieser wahrscheinlich kaputt gegangen. Mit professionellen, gekauften Kästen wäre das wahrscheinlich anders gewesen, trotzdem scheint die Alltagstauglichkeit vor allem wegen der geringen Stabilität nicht gegeben.

Dieser Punkt stellt wohl den größten Nachteil der Styroporbeute da. Außerdem wäre denkbar, dass es im Sommer wegen der guten Isolation und der fehlenden Durchlässigkeit von Feuchtigkeit zu einer Überhitzung kommen könnte. Über eine mögliche Schadstoffbelastung durch das Styropor könnte man sich auch Gedanken machen.

Dem Gegenüber stehen eine Vielzahl der in diesem Projekt herausgefunden Dinge, vor allem aber der wesentlich geringere Futterverbrauch in Styroporbeute. Mit den Mikrocontrollern wurde beobachtet, dass die Temperatur in einem Volk mit Styroporbeute sich wesentlich gleichmäßiger im Bienenvolk verteilt und insgesamt auf einem niedrigeren Niveau ist. Die gut isolierende Beute macht eine hohe und konstante Kerntemperatur wie bei den Völkern in Holzbeute überflüssig. Dadurch, dass die Temperatur im Volk mit Styroporbeute geringer ist, wird dort weniger Futter verbraucht. Wird es am Ende des Winters nochmal richtig kalt oder dauert der Winter länger an, bedeuten Futterreserven schnell das Überleben oder Sterben des Volkes. Dies scheint der wichtigste Grund zu sein, der für das Halten von Bienen in Styroporbeuten spricht.

Um die Leitfrage zu beantworten, wäre folgender Kompromiss denkbar und sinnvoll: Ein Umzug der älteren, stärkeren Völker in Styroporbeuten macht zum einen wegen der schlechten Alltagstauglichkeit und zum anderen wegen der Anschaffungskosten (solang man nicht schon welche hat) wenig Sinn. Betrachtet man die Werte des Futterverbrauches in Teil 5 der Ergebnisauswertung, sieht man, dass es vor allem bei dem jungen Volk Tvidder mit den Futterreserven sehr knapp wurde. Deshalb wäre denkbar, einen Ableger im ersten Winter in Styroporbeute zu halten, was ja noch relativ einfach ist, weil das Volk noch sehr klein ist, und dann im Frühjahr in eine Holzbeute umzuziehen, wo das Volk dann bleiben soll. Somit wäre das junge Volk im ersten Winter gut geschützt.

Nun noch ein paar Worte zu diversen Problemen, die sich im Verlauf des Projektes stellten. Größter Problemfaktor waren die Mikrocontroller. Häufig fiel die Stromversorgung aus oder irgendwelche Kabel lösten sich. Zum Teil mussten die Mikrocontroller ausgebaut und repariert werden. Eine zuverlässige Stromversorgung bei den Bienen hätte die Messungen mit Sicherheit erleichtert. Ein Internetzugang, über den die Mikrocontroller permanent ihre Daten zur Verfügung gestellt hätten, wäre perfekt gewesen. Dann hätte man Fehler auch sofort bemerkt. Dafür, dass die Mikrocontroller aber nur etwas „Selber gebautes“ mit relativ wenig Geld waren, haben sie ihren Zweck doch recht gut erfüllt. Die wesentlichen Daten wurden geliefert. Darüber hinaus nahm das Projekt doch wesentlich mehr Zeit in Anspruch als man anhand der Blogeinträge vermuten würde. Erst mussten die Styroporbeuten gebauten werden (zum Beispiel musste vorher noch herausgefunden werden, wie die Styroporteile zusammengeklebt werden sollten, letztendlich stellte sich der Bauschaum als bester Kleber heraus), dann musste der Bau der Mikrocontroller vorangetrieben werden und nicht zuletzt mussten alle zwei Wochen die Daten ausgelesen werden. Bei Problemen musste noch häufiger zu den Bienen gegangen werden. Die Veranschaulichung der gemessenen Daten in den Diagrammen nahm auch einige Zeit in Anspruch.

Insgesamt wurden die Mühen aber mit tollen Ergebnissen belohnt, sodass auf ein spannendes und lohnenswertes Projekt zurückgeblickt werden kann.

 Abschließend noch ein paar Bilder von den Arbeiten an den Bienen:

Mikrocontroller

Man sieht einen Mikrocontroller mit Stromversorgung und den grauen Kabeln, die zu den Sensoren führen. Das Kabel in der anderen Hand wird gerade auf den Mikrocontroller aufgesteckt, um die Daten auszulesen.

Auslesung

In diesem Bild liest der Computer die Daten aus. Damit das Volk während diesem Prozess nicht auskühlt, wird der Deckel wieder draufgelegt.

Sensoren justieren

Die Sensoren mussten regelmäßig nachjustiert werden.

öffenen eines Kastens

In diesem Bild wurde das Kabel für die Datenauslesung wieder entfernt und die Batterien wieder eingelegt.

Holz und Styroporbeuten

Styropor- und Holzbeuten nebeneinander

Ein Gedanke zu „Projektabschluss und Fazit

  1. Eine überaus hervorragende Arbeit und eine ebenso fundierte und durchdachte Auswertung. Chapeau! Ich bin schwer beeindruckt und schlage vor, dein Projekt bei Jugend forscht einzureichen – die Datenlage ist zwar nicht überragend aber dennoch aussagekräftig. Schade, dass ich nicht mehr als 15 Punkte vergeben kann.
    Die beste GFS-Schülerarbeit, die ich bisher jemals erhalten habe!
    W.

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