Anscheinsdialog

Round table Smarte Bildung. In vier Wörtern gleich drei Anglizismen unterbringen – eine Leistung, die schwer zu toppen ist. Ich fuhr entsprechend auf Oberflächlichkeiten eingestellt hin und fand dann dieses lustige Poster an der Tür:

Legal, illegal, total egal – Posterdrucken reicht, rechtlich saubere Arbeit würde Mühe machen.

Soo schlimm ging es dann aber nicht weiter. Ich fand die von mir im Vorfeld schon präferierte Stellwand und damit Gruppe und wider Erwarten auch Unterstützung von ein paar anderen Gruppenmitgliedern für meine OER Agenda bezüglich “Welche Medien braucht die Schule in der digitalen Welt”. Der Moderator kam mit seinem zu offensichtlich kommunizierten Anliegen, dieses Thema gleich zu Beginn zu beerdigen, nicht durch. War lustig. Am Ende zückten viele Gruppenmitglieder ihre Smartphones, dokumentierten das Ergebnis selbst und lästerten über die vielen OER-Kärtchen und ob diese denn auch den Weg bis ins KM schaffen würden. “Runde Ablage” war am häufigsten zu hören. “Die tragen die Wand zuerst zu Klett”. Nette Idee.

Positiv vermerken muss ich, dass sich das Niveau von OER-Gesprächen in den letzten Jahren gesteigert hat. Vor nicht allzu langer Zeit musste das Akronym zuerst ausführlich erläutert werden. Das ist nun geläufig, jedoch zwangsläufig unscharf definiert. In meiner Gruppe wurde viel darüber nachgedacht, wie staatliche Einflussnahme (siehe Polen) oder die Macht von Verbänden (siehe INSM) im Kontext OER zu Gunsten von Vielfalt kontrolliert werden könnte.

Inhaltlich habe ich, von der Gruppenarbeitsphase abgesehen, leider wenig mitnehmen können.

Die einführende Präsentation eines Profs war komplett frei von Theorie oder gar Empirie. Eine “der Wind des Wandels weht” Geschichte plus olle Kamellen (Moore’s law – falsch dargestellt) gepaart mit “deswegen muss alles anders werden”. Windmühlen bauen, nicht Mauern. Digitalisierung als Naturgewalt.

Frau Ministerin hatte scheinbar den Kopf nicht wirklich frei und wirkte auf mich hektisch. Sie war auch nur für ein paar kurze Sätze anwesend. Diese zielten an einigen Stellen auf ökonomische Verwertbarkeit, berufliche Bildung oder Ausbildung und an keiner auf Studierfähigkeit oder gar Bildung, wie ich den Begriff füllen würde.

Ich kann bei solchen Veranstaltungen nicht anders: ich rieche überall Wintelsuppe mit iPad-Klöschen. Ich wach dann mal auf und höre wieder richtig hin, wenn ein Entscheidungsträger mit einem Arduino oder Raspi auftritt, selbst was davon versteht und von lernen spricht.

Aus diesem Tag wird meiner Einschätzung nach nicht viel wachsen können. Höchstens Munition für eine wo auch immer dann entwickelte Position, die sich auf Grund der vielen, auch widersprüchlichen Aussagen auf den Ergebnisplakatwänden einiger anderer Gruppen, irgendwie auf diesen Tag zurückführen lassen. In der politischen Kommunikation ist das evtl. wichtig: “Die ‘Fachleute’ haben auf unserer Veranstaltung RTSB gesagt, dass X. Außerdem haben sie Y gewünscht und waren der Meinung dass Z.” Wer das Protokoll führt, bestimmt das Ergebnis.

Die Pressemitteilung gibt leider auch nicht viel her und liest sich auf Grund der Ansammlung von Gemeinplätzen vorfabriziert.

Trotzdem war’s gefühlt nicht für die Katz: Den Erfolg muss man wohl an der Zahl der Kärtchen messen, die auf die eigene Agenda beziehbar sind und auf das Ausmaß an Unterstützung oder die Zahl der Widerworte aus der jeweiligen Gruppe.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

15 − = 10