Bombe

Wie vor etwa zwei Jahren war ich dieses Jahr wieder teilweise im “Projekt Bombe” unterwegs. Wie damals setzen die SuS bei ihrer Besichtigung einer Bunkeranlage in Tübingen zum “Zeitvertreib” auch einen Fragebogen ein, den wir im Vergleich zum letzten Mal nur leicht abänderten. Nach einer kleinen Assoziationsübungen prüfen alle Items im Hauptteil nun in sich konsistent (in die gleiche “Richtung” weisend) die Ablehnung von oder Zustimmung zu Aussagesätzen auf einer Skala von 1 (keinerlei Zustimmung) bis 10 (totale Zustimmung).

Befragt wurden am Vormittag letzten Mittwoch, den 31.05., 86 Personen. Ein Fragebogen musste wegen offensichtlichem Blödsinn in den Antworten ausgeschlossen werden, so dass ein Junksample ohne jegliche gesamtgesellschaftliche Aussagekraft mit n=85 Personen über blieb. Der Großteil der Befragten war zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Für die Auswertungen wurde wie folgt verfahren: Eingabe der ausgefüllten Fragebögen in LibreOffice Calc Tabelle, Export nach CSV, Import in Gnu PSPP und Gretl. Dort erfolgten dann alle weiteren Schritte. PSPP eignet sich besser zum Datenfoltern, Gretl bietet mehr Möglichkeiten bei der Arbeit mit grafischen Auswertungen.

Rund 54% der Befragten waren männlichen, 36% weiblichen Geschlechts und etwa 9% gaben dieses nicht an.

Die Unterteilung nach Geschlecht nahmen wir zum Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen und einige Interessante Beobachtungen gibt es in diesem Junksample dann trotz alledem. Klar. Fragebogenuntersuchungen an oder durch Schulen müssen aus Prinzip ein “Ergebnis” haben, will man nicht nur sozialwissenschaftliche Methoden kennen lernen.

Männer und Frauen unterscheiden sich hinsichtlich des Angstniveaus ein klein wenig: Die Frauen (Geschlechtsrollenstereotype ON) sind etwas ängstlicher als die Männer.

Auch ist die Zustimmung zu Deutsche Interessen zuerst / “Germany first” (hier als DeutschIdent bezeichnet) bei den Männern deutlicher als bei den Frauen. Überhaupt: Für Tübingen hätte ich ein solches Ergebnis nicht erwartet.

Ein kleiner Unterschied zeigt sich auch, wenn Männer und Frauen danach gefragt werden, ob Deutschland eigene Atomwaffen besitzen sollte. Die Ablehnung ist zwar deutlich bei allen – aber bei den Frauen deutlicher.

Ein Zusammenhang mit dem Angstniveau besteht bezüglich des Wunsches, die Deutschen sollten sich atomar bewaffnen, nicht. Das zeigt der Plot oben – und die Korrelationen von um die 0,2 (egal, was man dem Datensatz hier als Testverfahren hinwirft).

Auch zeigt sich kein Zusammenhang zwischen der Zustimmung zu “Germany first” und dem Wunsch nach einer eigenen Deutschen Atomwaffe (Korrelationskoefizienten um 0,3 – wiederum egal, was man nutzt).

Eine Zeit lang dachten wir bei der Auswertung, dass sich ein Zusammenhang zwischen Altersstufe und Angstniveau, “Germany first” und dem Wunsch nach einer deutschen A-Waffe zeige.

Pustekuchen. In diesem Datensatz korreliert nix direkt mit garnix. Schade.

Also wechselt man das Werkzeug und versucht es mit einer explorativen Faktorenanalyse: Data mining macht schließlich Spaß. Ich bin so frei und erspare Euch alle Details, weil: sinnfrei.

Rotierte Komponentenmatrix
Komponente
1 2 3 4 5
KalterKrieg -,58
Unangreifbar ,71
Verteidigung ,70
Vernichtung ,69
Verhandlung ,72
Macht
Angstniv ,69
DeutschBomb ,63
DeutschVerh
DeutschIdent
Mann1Frau2 -,66
Altersgruppe ,74

Das ist nun nicht mehr weit entfernt von Glaskugeln – aber egal: Wir extrahierten 5 orthogonale Faktoren, die zusammen rund 56% der Varianz erklären. Alle Ladungen unter [0,5] warfen wir raus … und dann fehlten uns erst einmal die scharfen und deutlichen Bezeichnungen für diese Funde. Aktueller Stand:

  1. Der erste Faktor sind “Die kalten Krieger” oder “Die Neorealisten”.
  2. Der zweite Faktor bekam die Bezeichnung “Geschichtsvergessene”.
  3. Der dritte Faktor sind “Die Deutschbomber” …
  4. Der vierte Faktor sind “Die alten Schisser” (an Prägnanz kaum zu überbieten).
  5. Der fünfte Faktor? Evtl. “kerlige Vernichtungsignoranzler”? Klingt nicht rund.

Da hatten wir in vergangenen FB-Untersuchungen schon treffendere Bezeichnungen und vor allem auch Bündel gefunden, die mehr mit der Alltagsintuition zu tun haben. Aber für dieses Sample trotzdem nicht schlecht, der Blick in den runden Kristall.

Last Cert standing

Unsere beiden Domains kvfg.net und kvfg.org sind seit gerade eben bei Letsencrypt als Zertifizierungsstelle angekommen. Deren Comodo Zertifikate wären kommende Woche ausgelaufen und ich sehe aktuell keinen tieferen Sinn darin, PSW oder Comodo Geld hinterher zu werfen. Nur kvfg.info nutzt jetzt noch Comodo – und zwar bis 2018, dann sehen wir weiter.

Die lange Laufzeit – früher ein Argument für gekaufte Zertifikate – erweist sich zunehmend als problematisch im Falle von SSL Bugs und einen Comfortgewinn hat man auch keinen echten, nutzt man Helferlein wie dehydrated oder eigene Scripts, die die Zertifikate alle Nase lang quasi von selbst updaten.

Ich grübel aktuell daran rum, ob ich alle Besucher schlicht auf unsere HTTPS Seiten per HSTS zwingen soll. Die durchaus noch vorhandenen XP und Vista Nutzer/innen würden dann etwas deutlicher spüren, was geht – und was nicht. Nur der Paternalismus in dieser Denke stört mich noch ein wenig …

Gloria Mundi

Ein VGA Kabel liegt verloren auf dem Flur vor dem Informatikraum. Vermutlich ein Missverständnis zum Thema, was man mit VGA Kabeln so alles machen kann.

Problematisch sind die Dinger nämlich schon … z.B. wenn versucht wird, kopiergeschützte Filme über ein VGA Kabel auf einen Beamer zu bekommen.

Aber auch für derartige Fälle finden unsere Lehrkräfte Lösungen 🙂

Irgendwas mit Medien

Da hat sich Frau Carnap aber tiefgreifend informiert und auch alles mehrfach geprüft bevor sie ihren Artikel in die Öffentlichkeit entließ:

Quelle: https://www.freitag.de/autoren/netzpiloten/der-unterricht-braucht-ein-update

Wie kommt es nur, dass wir in den letzten mehr als 13 Jahren nie auch nur einen Cent für Lizenzen für unsere Moodle-Installationen bezahlt haben? Vermutlich, weil wir mehr können, als Copy and Paste oder bunte Prospektchen zusammen fassen. Dafür fehlt es hier halt an der “flotten Schreibe” und auch am Netzpilotenschein.

Trotzdem gut, dass ich mit meiner Infrastruktur nicht an Bord dieses Tieffliegers bin.

Anscheinsdialog

Round table Smarte Bildung. In vier Wörtern gleich drei Anglizismen unterbringen – eine Leistung, die schwer zu toppen ist. Ich fuhr entsprechend auf Oberflächlichkeiten eingestellt hin und fand dann dieses lustige Poster an der Tür:

Legal, illegal, total egal – Posterdrucken reicht, rechtlich saubere Arbeit würde Mühe machen.

Soo schlimm ging es dann aber nicht weiter. Ich fand die von mir im Vorfeld schon präferierte Stellwand und damit Gruppe und wider Erwarten auch Unterstützung von ein paar anderen Gruppenmitgliedern für meine OER Agenda bezüglich “Welche Medien braucht die Schule in der digitalen Welt”. Der Moderator kam mit seinem zu offensichtlich kommunizierten Anliegen, dieses Thema gleich zu Beginn zu beerdigen, nicht durch. War lustig. Am Ende zückten viele Gruppenmitglieder ihre Smartphones, dokumentierten das Ergebnis selbst und lästerten über die vielen OER-Kärtchen und ob diese denn auch den Weg bis ins KM schaffen würden. “Runde Ablage” war am häufigsten zu hören. “Die tragen die Wand zuerst zu Klett”. Nette Idee.

Positiv vermerken muss ich, dass sich das Niveau von OER-Gesprächen in den letzten Jahren gesteigert hat. Vor nicht allzu langer Zeit musste das Akronym zuerst ausführlich erläutert werden. Das ist nun geläufig, jedoch zwangsläufig unscharf definiert. In meiner Gruppe wurde viel darüber nachgedacht, wie staatliche Einflussnahme (siehe Polen) oder die Macht von Verbänden (siehe INSM) im Kontext OER zu Gunsten von Vielfalt kontrolliert werden könnte.

Inhaltlich habe ich, von der Gruppenarbeitsphase abgesehen, leider wenig mitnehmen können.

Die einführende Präsentation eines Profs war komplett frei von Theorie oder gar Empirie. Eine “der Wind des Wandels weht” Geschichte plus olle Kamellen (Moore’s law – falsch dargestellt) gepaart mit “deswegen muss alles anders werden”. Windmühlen bauen, nicht Mauern. Digitalisierung als Naturgewalt.

Frau Ministerin hatte scheinbar den Kopf nicht wirklich frei und wirkte auf mich hektisch. Sie war auch nur für ein paar kurze Sätze anwesend. Diese zielten an einigen Stellen auf ökonomische Verwertbarkeit, berufliche Bildung oder Ausbildung und an keiner auf Studierfähigkeit oder gar Bildung, wie ich den Begriff füllen würde.

Ich kann bei solchen Veranstaltungen nicht anders: ich rieche überall Wintelsuppe mit iPad-Klöschen. Ich wach dann mal auf und höre wieder richtig hin, wenn ein Entscheidungsträger mit einem Arduino oder Raspi auftritt, selbst was davon versteht und von lernen spricht.

Aus diesem Tag wird meiner Einschätzung nach nicht viel wachsen können. Höchstens Munition für eine wo auch immer dann entwickelte Position, die sich auf Grund der vielen, auch widersprüchlichen Aussagen auf den Ergebnisplakatwänden einiger anderer Gruppen, irgendwie auf diesen Tag zurückführen lassen. In der politischen Kommunikation ist das evtl. wichtig: “Die ‘Fachleute’ haben auf unserer Veranstaltung RTSB gesagt, dass X. Außerdem haben sie Y gewünscht und waren der Meinung dass Z.” Wer das Protokoll führt, bestimmt das Ergebnis.

Die Pressemitteilung gibt leider auch nicht viel her und liest sich auf Grund der Ansammlung von Gemeinplätzen vorfabriziert.

Trotzdem war’s gefühlt nicht für die Katz: Den Erfolg muss man wohl an der Zahl der Kärtchen messen, die auf die eigene Agenda beziehbar sind und auf das Ausmaß an Unterstützung oder die Zahl der Widerworte aus der jeweiligen Gruppe.

Maihack

Die Nacht zum ersten Mai geht in protestantischen Gefilden meist sang- und klanglos unter. Keine versteckten Gartenmöbel, keine zugemauerten Schultüren, keine Maibäume in weiblichen Vorgärten, keine Kreidelinien zwischen den Häusern der heimlich Liebenden … nur ein paar unserer Unterstufenschüler mit Rasierschaum und Klopapier auf Tour. Woher sollten sie es auch wissen, was zu tun wäre?

Hier zeigt jemand, wie mit ein wenig Mehl der 1. Mai-Scherz der Zukunft für selbstfahrende Autos aussieht.

Respekt für den simplen aber effektiven Hack. Der Besen kommt in Zukunft nicht mehr in den Vorgarten der Zicke, sondern muss in den Kofferraum.

LBS macht die Leni

Der LBS hat sich ein neues Gewand gegeben. So rot, so schön und so … modern. Auch in dem Sinne, dass dem LBS die Privatsphäre der eigenen Besucher/innen egal scheint, wie gleich mehrere Punkte aufzeigen:

A. Die Seite ist nur über HTTP aufrufbar. Versucht man den Landesbildungsserver verschlüsselt zu erreichen, dann wirft er dem Besucher eine .htaccess mit Login entgegen. Das halte ich für mehr als peinlich, kann aber noch als old school durchgehen, wenn die Sonnenbrille dunkel genug ist und einem die Zielgruppe – Lehrer/innen – und deren Datenschutzprobleme egal sind.

B. Der LBS bindet Dienste von US amerikanischen Firmen direkt in seine Seiten mit ein. Darunter Cloudflare und die Google APIs (siehe Bild oben).

Cloudflare ist nicht umsonst heftig in der Kritik: [1, 2 … sucht selbst] und ist, was den Umgang mit den Daten der Besucher des LBS angeht, auch ganz offen:

Cloudflare may aggregate data we acquire about our users and the visitors to their websites.

Ist für Facedings Nutzer/innen der Alltag und da sind ja “alle”. Auch deshalb ist dem Spacko der patriot act in Trumpland egal, wenn er Cloudflare nicht gleich auf Knien hierfür dankt:

It’s possible that we may be required by law, court order, or other legal process to provide information about our customers to outside parties. It’s our policy to ensure adherence to the due process of law

So viel mal zu dem dem LoL weniger vertrauten Dienst Cloudflare. Die Google APIs und deren Nebenwirkungen dürften ja auch Neulandbewohnern inzwischen bekannt sein und wenn nicht, dann kann nur die Pensionierung helfen.

Informiert der LBS seine Besucher/innen nach §13 TMG über diese externen Dienste und die Weitergabe von Daten? Ich hab am heutigen Tag nix gefunden und damit lautet meine Einschätzung auch:

Die dem KM nachgeordnete Behörde LS – als Verantwortlicher für den LBS – hat ein Problem mit dem Landesdatenschutzgesetz.

Ich schreib die mal an. Bin gespannt.

PGP für SuS

Seit heute Nachmittag ist PGP Verschlüsselung Teil unseres Webangebots auch für Schüler/innen – und nicht mehr nur für Lehrer/innen! Die SuS arbeiten hierbei mit Roundcube – die LuL bleiben bis auf Weiteres bei Horde. Eine Umstellung auf das einfacher zu wartende und auch einfacher zu bedienende Roundcube ist jedoch auch für die LuL und die Zukunft vorgesehen (vermutlich erfolgt die Umstellung in den Sommerferien – mal sehen).

Anyway.

Schüler/innen finden eine Anleitung zur Schlüsselerstellung mit ein paar Hinweisen zum Schlüsselmanagement im Wiki:

https://www.kvfg.net/wiki/doku.php?id=netz:pgp4sus

Jetzt wird’s lustig.

Ich bin mir sicher, dass wir die erste Schule in Deutschland sind, bei der SuS und LuL komplett zentral mit PGP versorgt sind.

Weg

Spitzenstift für’s Abi und auch für sonst alle Klausuren: Kaum liegt die Arbeit in der Wärme ist sie weg. Lehrer können bei ihrer Einkommenssteuererklärung bald Tiefkühltruhen absetzen, da diese zur Wiederherstellung von Schülerarbeiten benötigt werden.

Grünstich

Einmal von den Moirés im Bild oben abgesehen (mit dem Handy auf die Leinwand gehalten): das Bild, das der Beamer im GemK-Fachraum schon seit Wochen an die Wand wirft ist grün und zwar unabhängig davon, ob Visualizer, Laptop, DVD-Player oder Desktop das Bild liefern.

Meinen heutigen Erkundungen nach liegt das am KVM-Switch und vermutlich auch noch an den VGA-Kabeln selbst. Nach etwas Kabelwackeln tut es meist wieder für ein paar Minuten. Dann stößt man mit dem Knie ans Pult, wackelt dabei ein wenig am Kabel und das Bild wird wieder grün. Oder man tippt den KVM-Switch an (mit etwas Übung kann man auch mit der flachen Hand auf den Kasten mit dem KVM-Switch hauen) – gleiches Ergebnis: die Farben ändern sich.

Der Visualizer hat noch ein ganz besonderes Problem: Er liefert zuerst hübsch sein Signal an den Beamer. Nach ca. 5 Sekunden meint dieser, dass der Visualizer nicht die richtige Auflösung hätte und geht auf die Suche nach einer Quelle, die ihm besser gefällt. Nach weiteren 5 Sekunden findet er doch nur den Visualizer, zeigt diesen dann für 5 Sekunden an … und der Kreislauf beginnt erneut.

Vermutlich schlägt hier das VGA-Kabel-Problem mit durch: Kaputte VGA-Kabel verhinderten in der Vergangenheit schon häufig die beamerseitige Erkenntnis, um welche Auflösung es sich genau handelt.

Jedoch: Genaues weiß man nicht.

Die Verkabelung zu testen, gar im Fehlerfall neu zu machen und nicht nur den KVM-Switch auf Verdacht zu ersetzen – dafür hat keiner Zeit. Locker gehen in eine solche Aktion ein Nachmitag Arbeit hinein. Wo soll man die sich nehmen für eine einzelne Medieneinheit unter vielen? Zusätzlich zu dem ganzen anderen Kram, der hier dauernd bricht oder Pflege will. Und: Welcher Dienstleister käme und würde sich um derartige Kleinigkeiten kümmern? Die verkaufen lieber ihre eigene Hardware statt die dampfbetriebene KvFG-Medieneinheit zu richten. Einmal ganz abgesehen davon, dass man für den Betrag, der hier für die Wartungskosten im Laufe eines Jahres drauf ginge, die Bestandteile der Medieneinheit mehrfach neu kaufen könnte.

Aber vielleicht sollte uns das egal sein.