Blogtypologie

An anderer Stelle im Internet wurde vor langer Zeit schon einmal eine Typologie von unterrichtsbezogenen Blogs entworfen, auf die ich mich hiermit auch direkt beziehen will – vor allem weil meine Grafik oben sowie die Beschreibung unten die Typologie von lisarosa weitgehend aufgreift, jedoch auch erweitert:

http://lisarosa.wordpress.com/praxisbeispiele/unterrichts-und-schulblogs/

Die Seiten von lisarosa sind eine eingehendere Betrachtung wert. Wer den Link oben anklickt, sollte mit einer Aufenthaltsdauer von mindestens 30 Minuten rechnen. Wer weniger Zeit investiert kann nicht einmal an der Oberfläche der vielen guten Ideen kratzen, die sich dort finden lassen.

Lehrerblogs

Der Inhalt und damit die Artikel werden vom Lehrer meist selbst erstellt. Aufgaben, Unterrichtsmaterial, Informationen zur Klasse / zum Kurs werden bereit gestellt, die Schüler kommentieren evtl. einzelne Artikel, was auch als Hausaufgabe vorgesehen werden kann. Artikel von Schülern stellen hier die Ausnahme dar und werden vom Lehrer vor Veröffentlichung gelesen bzw. korrigiert.

Neben der Transparenz des Unterrichts – vor allem auch für interessierte Eltern – ist hier die Einfachkeit der entscheidende Vorteil: Für die Schüler sind nicht unbedingt Bunutzerkonten nötig, ein Captcha für den Schutz des Kommentarfeldes reicht völlig aus. Der Lehrer hat durch die Moderation von Kommentaren und durch die Alleinherrschaft über die veröffentlichten Artikel “das Heft in der Hand”. Dies ist auch gleichzeitig ein Nachteil, riecht ein solches Setting doch schon schwer nach “Frontalunterricht im Web 2.0″, was schon begrifflich schwer zu verdauen ist. Ein weiterer Nachteil dürfte sein, dass sich ein derartiges Blog außerhalb des schulischen Intranets und außerhalb des Leserkreises “Klasse” bei der Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien schnell in urheberrechtliche Problemzonen hinein bewegt, ist der Lehrer als Autor nicht im Umgang mit demselben sowie mit offenen Quellen geschult. Ein geschlossener Moodle-Kursraum ist für den Netz-Anfänger die bessere Wahl!

Trotzdem: Ich halte ein derartiges Kommunikationsinstrument vor allem für die Grundschule sowie die ersten beiden Unterstufenjahre für sehr sinnvoll. Dies ist jedoch eindeutig meiner heute frustrierten Elternperspektive am Ende eines Wochenendes geschuldet, an dem mir schon wieder keines meiner Kinder sagen konnte, was sie eigentlich als Hausaufgabe aufhaben oder in der Schule gemacht haben.

Fachbereichsblog

Nicht jeder Lehrer eines Fachbereichs muss seine eigene Bloginstanz betreiben – hier kann man auch kooperieren. Die Inhalte werden dann von den Lehrern eines Fachbereichs gemeinsam eingestellt, das Kategorien- sowie Tagsystem des Blogs sorgen für die nötige Ordnung. Auch inhaltliche Schwerpunktsetzungen zwischen den Kollegen  sind denkbar.

Wenn ich einmal alle Probleme ignoriere, die mir gleich zu diesem Unterfangen einfallen, dann ist hier der Vorteil, dass der Fachbereich so einen Identifikationspunkt erhält. Der Austausch über, das Mitlesen und Kommentieren der Artikel der Kollegen kann Teil des Qualitätsmanagements sein. Außerdem haben alle Mitglieder so auch leicht Zugriff auf die Materialien, Themen und stellenweise auch didaktischen Strukturen der Kollegen. Positives, gute Ideen dürften sich so leichter durchsetzen. Nebenbei lernt der Fachbereich gemeinsam die Bearbeitung von Urheberrechtsfragen und erwirbt sich so die Kompetenzen für das Führen eines Klassen/Kursblogs.

Kurs- / Klassenblog

Die Inhalte in Kurs- und Klassenblogs werden vom Lehrer und den Schüler/innen zuerst zusammen, nach einer gewissen Einarbeitungszeit überwiegend von den Schüler/innen alleine eingestellt. Gegenseitiges Kommentieren ist mindestens erwünscht – besser noch: wird regelmäßig eingefordert oder zentral, im Unterricht selbst, durchgeführt.

Gerade in der Einarbeitungszeit für die Schüler/innen ist der Aufwand für den betreuenden Lehrer relativ hoch: Datenschutz- und Urheberrechtsfragen müssen immer wieder auch im Unterricht thematisiert werden. Zu Beginn sollten die Schüler ihre Artikel noch nicht selbst freischalten können, sondern dem Lehrer zur Schlussredaktion vorlegen, damit an dieser Stelle nichts schief geht. Gut gewählte Nicknames für die Schüler erleichtern den Einstieg, machen jedoch eine oft komplexe Benutzerverwaltung notwendig. LDAPs / IMAPs Plugins für die Blogsoftware können (!) hier von Vorteil sein, wenn gegen den hausinternen Server authentifiziert wird.

Eine Seite mit Kriterien für die Beiträge kann als Bezugspunkt für die Diskussion der Qualität der Inhalte gute Dienste leisten. Meine Erfahrung zeigt, dass diese im offline-Unterricht trotzdem immer wieder besprochen werden müssen, damit die Beitragsqualität insgesamt steigt.

Einzelblogs von Schüler/innen

Die persönliche Verantwortung für ein Einzelblog kann die Intensität der Auseinandersetzung mit den Themen, die z.B. in einem zentralen Lehrerblog vorgegeben werden, auf die sich die Schülerblogs dann beziehen (Trackbacks) – steigern, oder auch schnell zum Gefühl der Überforderung auf Seiten der Schüler führen. Einerseits ist hier der Lerneffekt am größten – andererseits auch der Betreuungsaufwand für den Lehrer, der schon allein aus Urheberrechtsgründen alle Blogs immer im Blick haben muss. Ohne Feedreader geht das nicht.

Entweder man hat einen sehr engagierten Kurs – oder man bündelt die Schülerblogs zu Themenblogs und lässt in Gruppen arbeiten. Eine solches Setting neben (!) dem “normalen” Unterricht aufrecht zu erhalten erscheint mir sehr schwierig. Alle geeigneten Formen der Integration in den Präsenzunterricht setzen IMHO Laptopklassen voraus – oder die klare zeitliche Abgrenzung im Rahmen eines Unterrichtsprojektes.

Schulblogs

Selbstverständlich können Blogs auch die Kommunikation mit der inner- und außerschulischen Öffentlichkeit global übernehmen: Die Homepage der Schule ist ein Blog, Beiträge in verschiedenen Kategorien oder Themen/Tagfeldern werden von Lehrern, Fachbereichen, Klassen und auch einzelnen Schülern eingestellt.

Soweit die Theorie. In der Praxis dürfte die Schulleitung ein größeres Interesse an Stabilität der Darstellung in der Öffentlichkeit haben, als sich hier organisieren lässt. Der einzige Ausweg scheint mir ein Redaktionssystem zu sein – womit wir dann den Bezugspunkt Blog – auch von Seiten der Software (z.B. WordPress) – eigentlich schon wieder verlassen hätten. Hier muss das Rechtemanagement stimmen, und das macht ein ordentliches CMS wie Typo3 nötig. Dann allerdings ist der Web-Auftritt der Schule an Lebendigkeit wohl kaum noch zu überbieten.

Blogs von Arbeitsgemeinschaften der Schule

Dieser Typ ist hier lediglich gesondert ausgeführt, weil er weiter aus dem Schulalltag herausragt (was ich in der Grafik oben versuchte anzudeuten), als das Kurs-/Klassenblog. Inhaltlich und organisatorisch unterscheidet er sich von diesem jedoch kaum – mit dem Unterschied, dass man es in AGs oft mit engagierteren Personen zu tun hat. Die Beitragsfrequenz ist phasenweise somit oft sehr hoch … aber auch die Abhängigkeit von den sonstigen schulischen Anforderungen. Gerade in Zeugniszeiten (Januar, Juli) wird die Zahl der neu erscheinenden Artikel geringer ausfallen.

Schulnahe Blogs

Im Extremfall für die Öffentlichkeitsarbeiter traditioneller Institutionen der Horrortrip: ein Schul-Watchblog eines anonymen Schülers oder Elternteils. Kontrolle über die Inhalte ist unmöglich und wer nicht klagen will hat als Strategie nur die Einbindung … am Besten über ein Schulblog, in dem bei Bedarf auch Gegendarstellungen veröffentlicht werden können.

Im Normalfall dürften schulnahe Blogs den Löwenanteil der Blogs der Lehrer und Schüler ausmachen. Auf Lehrerseite: Weder Herr Rau noch Herr Kalt noch die vielen anderen bloggenden Lehrer in Deutschland nutzen ihre Textschmieden als Waffen gegen ihre Schulen, sondern lassen diese im Web als modern erscheinen. Die mir bekannten Blogs unserer Schüler erreichen zwar nicht immer den Grad an Differenziertheit, den wir Pauker uns wünschen, wenn es um die Auseinandersetzung mit der Institution Schule oder unserem Unterricht geht – aber dazu ist ein am Ende ja privates Blog auch nicht da.

Links zu den vielen Blogs unserer Schule sind in der Blogroll oben zu finden – und auch hier: http://kvfg.net/blogs/blogbersicht/

‘Geschichtshefte als Blog’ – Artikel bei Mediaculture

Der Artikel Geschichtshefte als Blog, der bei Mediaculture erschienen ist, macht evtl. Mut, Blogs auch selbst im Unterricht einzusetzen. Zwar können die Bedingungen unter denen das Projekt stattfand

Urheberrechtsfragen der in diesem Projekt verwendeten Materialien wurde von externer Seite geklärt. Weiter wurden ausschließlich Materialien aus zwei CDs genutzt, die ebenfalls von dritter Seite zur Verfügung gestellt wurden.

nicht eins zu eins auf den täglichen Unterricht übertragen werden – das schadet aber nicht. Im Gegenteil:

  1. Erstens kann auf die vielfältigen externen Quellen, die umfangreiche Materialien zum Geschichtsunterricht bereit stellen, schlicht verlinkt werden, statt diese hier direkt einzubinden.
  2. Zweitens stehen inzwischen eine Vielzahl an freien Quellen für die Online-Arbeit zur Verfügung – einen Überblick liefert diese Seite auf dem LFB.
  3. Drittens lernen die Schüler/innen so nicht nur eine künstliche Sondersituation im Internet kennen, sondern erwerben eine echte, unverfälschte Medienkompetenz im Bereich der Onlinepublikationen, die diese für eigene Webprojekte und auch einen späteren Beruf in diesem Umfeld qualifiziert.

In Fragen des Urheberrechts stehen Sie an unserer Schule nicht allein auf weiter Flur. Dani ist Expertin für derartige Fragen – und auch ich traue mir zu viele Tipps geben zu können. Sprechen Sie uns an.

Weitere Hinweise und Tipps zum Einsatz von Blogs im Unterricht gibt diese Seite – oder die folgenden Seiten auf dem LFB.